Einblicke in den real existierenden Rheingau
Der romantische Rheingau ist noch immer nicht verschwunden.
Man muß nur genauer hinschauen.

Schon immer wußten die Winzer: Die Qualität des Weines verbessert sich bei geringerem Ertrag.
(Wenicher Aache aaschneide!, sagt dann der Winzer.) Das bedeutet: Beim Winterschnitt läßt er weniger von der Rebe stehen. So gibt es weniger aber "extraktreichere" Trauben. Also: mehr Qualität, aber weniger Ertrag. Der Ertrag wiederum läßt sich verbessern, indem man die Weinbergsfläche verringert. Wie geht das? Zum Beispiel so, daß der Winzer hinaus in den Weinberg aussiedelt. Das ist ja schließlich auch sein angestammtes Arbeitsfeld. Jetzt hat er nämlich mehr Platz für größere Fässer, mehr Zeit, weil er ja nicht mehr so weit fahren muß und weniger Arbeit, weil weniger Rebstöcke stehen. Zudem ist das umweltschonend (weniger Diesel!), erhöht aber den Ertrag. Zu kompliziert? Nein, das ist eben Dialektik.
Denn: was macht der fröhliche Zecher? Der setzt sich eben in den neuen Gutsausschank, draußen vorm Dorf, unter die neue Pergola vom Baumarkt, gleich gegenüber den Rebzeilen. Jetzt fehlt zwar noch ein bischen romantische Natur. Aber die kann man sich herbeitrinken. Spätestens nach zwei Schoppen sind die Rebzeilen nicht mehr so herrisch gerade und werden zur Natur. Da freut sich der Gast und dann auch der Winzer. Vor allem, wenn der Gast um stabilen Weinpegel bemüht ist. Und das erhöht eben den Ertrag.
Also bitte: Nix mit paradox. Das ist eben Dialektik der oinologischen Ökonomie. Aber was macht das mit der Landschaft ...

  Da hat einer ausgesiedelt ...                                                   ... und da.
bei Eibingenbei Östrich-Winkel

´Gegliederte´Flaschenabfüllungshalle

Es sind die neuen Bauten, die dem Rheingau ein so unverwechselbares Gepräge verleihen. Sie sind beeindruckend, sie sind groß und sie sind meist viereckig.

Und hinter diesem "fein strukturierten" Bauwerk (rechts) sieht man sogar noch ein Stückchen vom schönen alten Johannisberg und seinem beeindruckenden Schloß. Und das ist schließlich auch auf irgendeine Art und Weise viereckig.
 


 

 

Auch der Turm von Kloster Johannisberg ist viereckig !Überhaupt sind die Hallen ausgesprochen furchtlos. Immer näher rücken sie heran an den Wahrzeichenberg des Rheingaus, so als wollten sie den Hügel schützen, auf dem man einst die Spätlese erfunden hat.
Warum aber - so mag mancher denken - soll man spät lesen, wenn man früh schon in dieser schönen Halle Sport treiben kann. Eine schöne Klosterwiese für einen Golfplatz hat man in der Nähe ja schließlich auch schon ausgemacht.
Eben. Gesunde Menschen zwischen gesunden Reben!

 


 

Blick auf den romantischen Insel-Rhein

Und wenn die Menschen dann durch die Weinberge nach Hause schlendern, blicken sie in die romantischen Ortschaften, die sich sanft an das Ufer des Flusses schmiegen, beherrscht von gotischen  Kirchen, den feinen Fachwerkhäusern und den stattlichen alten Adelspalästen. Hier fühlte schon Goethe sich wohl.

 

 

 

Noch lugt hinter der OBEREN BEIN Hallgarten hervor

Auch dem schönen Dörfchen Hallgarten, das sich da noch so mühsam in den Hügeln zu verstecken sucht, könnte es bald gelingen, sich wirklich aus dem Blickfeld davon zu machen: Denn hier steht womöglich bald eine nagelneue schöne Chemiefabrik. - Die Vorbereitungen laufen bereits. Aus dem Weinberg im Vordergrund - so die Überlegung - könnte man einen heiteren Gewerbepark machen. Denn die Menschen liebten schon immer die Parks.

Also: Park statt Weinbau-Monokultur. Wer wird denn da weinen. Nichts währt ewig, und die Lage "Obere Bein" steht ohnedies schon lange auf keinem Flaschenhals mehr...

Der historische Steinberg, umgeben von Mauern

 

Und hier, in den Steinberg, den historischen Weinberg der Eberbacher Mönche aus dem 13. Jahrhundert, wollen die Hessischen Staatsweingüter auf Kosten der Steuerzahler und mit Segen des sparfreudigen Landesvaters Koch für ein paar Millionen eine neue Weinkellerei bauen. Also: Weg mit den Frauenhäusern und Betreuungsstationen und her mit dem schönen Betonrahmen für die Historie.

So gestaltet der Rheingauer seinen Rheingau.
Vielleicht macht er ja wirklich so weiter.
Wer weiß!
Vielleicht macht er´s bald aber auch anders.
Die Zeit der Romantik jedenfalls hat einmal mit Ruinen begonnen:
Die Franzosen zerstörten 1688 einfach die Rheinburgen. Sie waren damals die bestimmenden Bauwerke.
Aber können wir nur wegen der ästhetischen Verwüstungen unsere Nachbarn heute noch einmal um einem solchen Service bitten?

Und hier gehts zurück "zur Seelenlage des Rheingauers".

  Zum Thema "regionaltypisches Bauen" macht man sich an der Mosel ganz andere Gedanken:
Hier eine interessante Seite mit Bild-Beispielen: http://www.mosel-reisefuehrer.de/Baukultur/default.htm 05.02


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